Mein Wechsel zu Linux

Kommentare 4
Nebenbei

Mein vollständiger Wechsel zu Linux vor ein paar Monaten war ein echter Kaltstart –  und eigentlich in dem Ausmaß auch nicht geplant. Wie schon einige Male zuvor wollte ich lediglich mit Linux „rumzuspielen“, an was Neuem „rumfrickeln“. Ziel war nur eine Parallel-Installation zu Windows. Es kam anders…

[all_in_one_bannerWithPlaylist settings_id=’1′]

Linux ist mittlerweile kein Hexenwerk mehr. Gerade die Ubuntu-Distributionen sind ja in aller (Wechsel-)Munde. Es geht ’ne Menge über die Software-Verwaltung und wenn dann doch mal Konsole und Kommandozeilen-Befehle bemüht werden müssen, ist auch dieser Weg machbar. Zum Beispiel mithilfe der großen Community. Die ist bei Linux, speziell bei Ubuntu – so meine Erfahrungen – sehr stark, mehr als höflich und noch viel wichtiger: geduldig mit Anfängern/Umsteigern.

Die Entscheidung für meinen Wechsel zu Linux hatte übrigens nichts mit der Datenschutz-Diskussion zu tun, der sich Microsoft mit seinem aktuellen Betriebssystem ausgesetzt hat. Natürlich ist das ein schöner Nebeneffekt, war in dem Fall aber kein ausschlaggebender Faktor. Schließlich nutze ich auch einen Google-Account mit allem Drum und Dran…

Windows-Update als Auslöser

Alles fing ganz harmlos an. Ich installierte Ubuntu neben dem vorhandenen Windows 10 und war ein paar Wochen dabei, als es mal wieder ein Windows-Update gab. Von individuellen Einstellungen abgesehen wird man mittlerweile nicht mehr gefragt, ob oder ob nicht. Windows lädt herunter und installiert.

Alles gut, passt schon – dachte ich.

Dann die Ernüchterung. Das Update scheint den GRUB Bootloader gelöscht zu haben. Der kommt mit Linux und stellt – vereinfacht gesagt – die Möglichkeit zur Verfügung, vorab auszuwählen, ob man Ubuntu oder Windows starten möchte. Ohne GRUB keine Auswahl. Folglich startete nur noch und direkt Windows 10.

In diesem Moment war ich ziemlich bedient. Natürlich hätte man das Problem lösen können, doch was passiert beim nächsten Update? Es war ganz einfach der Punkt erreicht, an dem ich, auf Deutsch gesagt, die Schnauze voll hatte. Drastisch ausgedrückt: Wenn Windows mir auf meinem eigenen PC nicht erlaubt, andere Systeme zu nutzen, musste es weg.

Linux sollte nun also her – und zwar ohne Wenn und Aber.

Wechsel zu Linux Mint Ubuntu Mate

Der Plan stand, nun musste ich mich nur noch für eine Distribution entscheiden. Ganz klassisch Ubuntu oder sollte es etwas anderes sein?

Ich entschied mich – auch auf einen Tipp hin – für Linux Mint.

Mint ist, das konnte ich bereits nach wenigen Tagen bestätigen, vor allem für Linux-Anfänger und Umsteiger sehr interessant. Und das nicht nur, weil die Oberfläche (in meinem Fall „Cinnamon“) an Windows angelehnt ist. Auch viele Einstellungen sind nach mehreren Microsoft-Jahren intuitiv und einfach zu bedienen.

Übrigens basiert Linux Mint auf Ubuntu, ist also nicht wirklich etwas vollkommen anderes… Der Vorteil: Fast alle Artikel, Tutorials, Dokumentationen Ubuntu betreffend sind dadurch auch auf Linux Mint übertragbar.

[Update 10.07 2017]
Auf Linux Mint 18 Cinnamon folgt Ubuntu Mate 16.04
Bereits im November 2016, wenige Wochen nach Veröffentlichung dieses Beitrags, testete ich noch weitere Distributionen, unter anderem Debian, Fedora und Zorin OS. Am Ende blieb ich bei Ubuntu Mate 16.04 hängen, musste mich also nicht all zu sehr umgewöhnen. Ubuntu Mate nutze ich noch heute.

Ubuntu Mate, hier in der Version 15.10

Hardware und Software unter Linux

Das Betriebssystem war also ausgewählt und installiert.

Hardware-Probleme gab es bei mir keine. Meinen PC habe ich 2012 zusammengestellt. Wie es mit aktueller Hardware aussieht, kann ich daher nicht beurteilen. Doch ein Blick ins Netz zeigt, auch hier hilft die Community. Denn meist gibt es Workarounds, mit der sich die Hardware zufriedenstellend nutzen lässt.

Entscheidender war jedoch ohnehin die Frage nach geeigneter Software. Mal abgesehen von den Programmen, die ohnehin in einer Linux-Version angeboten werden: Gibt es ausreichend Alternativen zu meiner bisher unter Windows genutzten Software? Denn genau das ist doch vermutlich noch immer einer der Hauptgründe, warum sich der eine oder andere letztlich doch gegen einen Wechsel zu Linux entscheidet.

Die Antwort: Ja!

Und wenn nichts mehr hilft, hilft Alkohol – in dem Fall Wein.

Wine, eine Windows-kompatible Laufzeitumgebung, ermöglicht es, viele Windows-Programme auch unter Linux zu installieren und auszuführen. Auch komplexere Programme wie z. B. Photoshop lassen sich installieren. Eine Übersicht der Software, die mit Wine zuverlässig läuft, findet man unter appdb.winehq.org. Und in Verbindung mit PlayOnLinux erhält Wine zusätzlich eine komfortable Frontend-Oberfläche. Ich selbst nutze Wine vor allem für den Bildbetrachter IrfanView. Den hab ich einfach lieben gelernt.

Meine Software und Alternativen

Ansonsten habe ich viele Programme auch in einer Linux-Version gefunden oder komme mit den Alternativen sehr gut zurecht. Chrome, Thunderbird, FileZilla, der VLC Player und VeraCrypt können unter Linux ohne Probleme installiert werden, sind gegebenenfalls sogar schon vorinstalliert. Auch Skype, Spotify und der TeamViewer lassen sich bei Bedarf nachrüsten.

Für KeePass gibt es zum Beispiel die Alternative KeePassX, overGrive ersetzt bei mir die GoogleDrive-Software und statt StarMoney nutze ich nun Moneyplex.

Zur Bildbearbeitung reicht mir aktuell GIMP, denn so komplex sind meine Arbeiten nicht. Und das bereits vorinstallierte Libre Office kommt als Microsoft Office-Alternative zum Einsatz. Das klappt soweit prima. Einzig meine Word-Vorlagen werden von Writer, dem Word-Pendant, nicht 1:1 übernommen. Die werde ich vermutlich neu erstellen oder anpassen müssen.

Schmerzlich vermisst

Software-Zugeständnisse musste ich trotz allem leider auch machen. In Sachen Music-Player habe ich beispielsweise noch keinen adäquaten Ersatz für den Media Monkey gefunden. Ob Amarok, Banshee oder Rhythmbox, sie alle erfüllten nicht meine Anforderung. Mir ist es wichtig, ohne Playlisten arbeiten zu können und Musik möglichst direkt aus den auf meiner Festplatte liegenden Ordnern heraus abzuspielen. Momentan bin ich bei Clementine hängen geblieben. Wenngleich mir der Weg auch hier eigentlich nicht komfortabel genug ist.

In Kürze werde ich mich außerdem an das Thema Steuersoftware wagen. Denn in diesem Bereich liegt Linux allgemein sehr brach, wird von den Anbietern stiefmütterlich behandelt. Von meiner in den letzten Jahren genutzten Software, tax20**, werde ich mich verabschieden müssen. Aufgegeben habe ich zwar noch nicht. Aber ein erster Versuch, tax2016 mit Wine zu installieren, schlug fehl und auch die Internet-Recherche brachte wenig Hoffnung.

Dem Artikel „Mit Linux zum Finanzamt“ (Aus: linux-community.de, Zugriff: 06.10.2016) zu urteilen, sollte es über Wine aber Möglichkeiten geben. Wenn nicht mit dieser, dann halt mit einer anderen Software. Ein Artikel in der c’t (Ausgabe 9/2016) berichtet zum Beispiel über die erfolgreiche Installation des WISO Steuersparbuchs. Das wäre daher ebenfalls eine Option. Die Steuererklärung mache ich ohnehin nur einmal im Jahr. Wichtig ist, dass es grundsätzlich möglich ist.

Das Ende vom Lied

Was soll ich sagen. Nach mittlerweile über 15 Wochen kann ich festhalten: Ein Wechsel zu Linux gestaltet sich gar nicht (mehr) so problematisch. Und letztlich ist ja auch ein Parallel-Betrieb von Windows und Linux immer denkbar, erleichtert das ganze dann womöglich deutlich. Denn verständlich ist es allemal, will man auf seine Lieblings-Software nicht (ganz) verzichten.

Auf Linux selbst muss man natürlich Lust haben, ganz klar. Linux hat seine Eigenheiten und mit denen muss man sich arrangieren können. Alles geht zum Beispiel nicht über grafische Benutzeroberflächen und Installationsroutinen. Wer neben der Software-Problematik auch hierauf angewiesen ist, sollte sich einen Wechsel gut überlegen.

Ich habe meinen Entschluss bisher auf jeden Fall nicht bereut.


Anmerkung:

Für mein Geschreibsel hier gibt es natürlich keine Gewähr auf Vollständigkeit. Ich bin ja selbst noch Linux-Newbie. Es kann daher gut sein, dass vielleicht das eine oder andere sogar möglich ist, obwohl ich bisher nur das Gegenteil erfahren habe – und anders herum. Wenn ich also irgendwo falsch liege, freue ich mich über einen kurzen Kommentar. Ich lerne gerne dazu und weiß, dass mein Wechsel zu Linux noch lange nicht abgeschlossen ist.

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert